Was die Menschen verwirrt, sind nicht die Dinge, sondern ihre Ansichten über die Dinge.

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Wahl- Fahrt
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Die Kunst und die Wahlfahrt

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Montag, 23. März 2009

28, August 2008

Es gibt eine Zeit des Zwielichtes, es ist der Raum zwischen Tag und Nacht. Es ist die Dämmerung, wenn am Morgen der Geist des Menschen noch halb im Traum wandert und doch bereits erwacht.

In diesem Zwielicht sprachen sie, die Mütter, die eine weiß, die andere schwarz. Im Grunde gaben sie mir, einer Träumerin, alle Informationen auf einmal und ich bin noch damit beschäftigt, dieses „Alles“ zu verstehen und stehe immer wieder vor schier unüberwindbaren Hürden, wenn es darum geht, das „Alles“ in Worte zu fassen, geschweige denn, es in die Tat umzusetzen.

Vielleicht ist es ein Kunst-Projekt. Die Kunst als solche fragt ja nun nicht, ob die Person, die sie ruft, auch wirklich ein Künstler oder eine Künstlerin ist, ob diese etwas kann oder nicht. Die Kunst ruft und die gerufene Person fühlt sich gerufen oder nicht. Die Person tut, was die Kunst von ihr verlangt oder sie lässt es. Manchmal erscheint die Kunst als Göttin oder gar als Doppel- Göttin in einem Traum.

Was sich vom 5. bis zum 15. August als Wahl- Fahrt vom Heiligen Berg, dem Hohenpeißenberg nach Altötting bewegte, war demnach der Beginn eines künstlerischen Projektes. Und das, worum und warum sich dieses Projekt bewegt, ist nichts Weniger als „Alles“ und „Alle“.

 

Doch der Reihe nach:

Der erste Schritt in diesem Kunstprojekt besteht darin, eine Installation vorzunehmen und zwar wünscht die Kunst, dass die Weiße Madonna von Hohenpeißenberg und die Schwarze Madonna von Altötting sich von ihren wohl vertrauten Plätzen erheben und den Ort der jeweils anderen besuchen. Die weiße Madonna wünscht also von Hohenpeißenberg nach Altötting getragen zu werden und die schwarze Madonna von Altötting nach Hohenpeißenberg. Unterwegs möchten die beiden Hohen Damen „Verwandtschaftsbesuche“ bei allen ihren Verwandten machen, das heißt bei den befreundeten Religionen, und das sind wiederum alle Religionen. So sagt die Kunst. Sollten sich weitere Kunstgegenstände, insbesondere solche, die Frauen oder Kinder darstellen und den verwandten Religionen angehören, der Reise  anschließen wollen, so ist dies ausdrücklich erwünscht. Sagt die Kunst. Sie höre bereits deutliche Rufe von einer gewissen Tara aus Tibet und einem etwas korpulenten Gotteskind mit einem Elefantenkopf namens Lord Ganesh, sagt die Kunst.

Außerdem möchten die Hohen Damen, die beide Mutter Maria heißen, wenn sie dann einmal in Fahrt sind, den Menschen gerne Fragen stellen. Sie möchten keine Belehrungen geben, das wäre Männersache, sagt die Kunst. Nein, sie möchten Fragen stellen. Welcher Art die Fragen sein werden, das werde sich rechtzeitig herausstellen. Eines sei jedenfalls gewiss, sagt die Kunst, es seien Fragen, anhand derer Beantwortung sich zeigen werde, ob die Menschen sich in Sachen Ethik ein wenig entwickelt hätten in den vergangenen Jahrtausenden.

 

Die weiteren Schritte würden den auserwählten Künstlern und Akteuren rechtzeitig mitgeteilt, sagt die Kunst, denn sie wolle die Künstler nicht vorzeitig entmutigen, ob des unaussprechlichen Umfanges des Projektes.

 

Deshalb also ein Schritt nach dem anderen. Da es sich bei den beiden Madonnen, bei der Schwarzen Madonna von Altötting noch etwas mehr als bei der Weißen von Hohenpeißenberg, um weltberühmte Statuen handelt, deren Wert unermesslich ist, müssten also höchste Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um eine Beschädigung der Objekte zu vermeiden, abgesehen davon, dass Genehmigungen von Stellen zu erwirken sind, die nicht so ohne weiteres zu erwirken sind. Dass das alles nicht so einfach ist, das ist der Kunst egal. Die Kunst hat nur die große Vision vor Augen. Mit diesen visionären Augen sieht die Kunst, dass alle Beteiligten einer Meinung sind oder es zumindest sein müssten. Warum der Administrator der Marienpflege zu Altötting, der Herr Furtner, das schriftlich und persönlich vorgetragene Ansinnen bisher ignoriert, obwohl er versprochen hat, es dem Bischof selbst zu überreichen, bleibt im Schleier des Zwielichtes verborgen. Vielleicht ist auch dem Bischof der Ernst der Lage nicht bewusst? Immerhin handelt es sich um einen Auftrag direkt von seiner, des Bischofs,  höchsten Instanz, von der Chefin selber, sozusagen. Er täte also gut daran, sich nicht länger zu widersetzen.

 

Doch die Kunst ist zuversichtlich. Ein Schritt nach dem anderen, sagt sie, während ein Hurrikan sich New Orleans nähert. Dieses Mal ist die Stadt New Orleans besser vorbereitet auf den Hurrican als vor drei Jahren, als die Menschen viele Tage und Nächte ausharren mussten, bevor ihnen ein wenig geholfen werden konnte. Dieses Mal nehmen die Menschen die Warnungen ernst und verlassen die Stadt. „Wer jetzt noch in der Stadt ist, hat keine Hilfe von den Behörden zu erwarten!“ sagt der Bürgermeister. Gleichzeitig ist eine Ausgangssperre verhängt und Tausende von Soldaten sind angewiesen, das Hab und Gut der Bürger vor Plünderungen zu bewahren. „Wir beschützen ihr Eigentum!“ sagen die Politiker. „Jeder, der nach 18 h auf den Straßen zu treffen ist, wird wegen des Verdachts auf Plünderung festgenommen!“ Ob der Schutz des Eigentums eigentlich wichtiger ist als der Schutz derjenigen, die die Stadt nicht verlassen können, seien es die abgeorderten Soldaten aus jeweils armen Verhältnissen stammend, oder diejenigen, die vielleicht kein Fahrzeug haben, um die Stadt zu verlassen, fragen die schwarzen Muttergöttinnen. Aber dies nur nebenbei.

 

12. September 2008

 

New Orleans ist verschont geblieben. Ob die beiden Hohen Damen beruhigend mit dem Hurrikan gesprochen haben?

 

Die Künstler, die mit der Wahl- Fahrt zu tun haben, tun jedenfalls, was sie tun können. Und sie taten es gut während jenes ersten Schrittes. Der eine bastelte eine professionelle website, der andere entwarf einen cleveren Sponsoren-Brief, Mädels von der Kunstakademie webten, nähten und malten ein Quilt der Schwarzen Göttin und wieder andere ließen die Köpfe rauchen, telefonierten sich die Finger wund und schrieben und schrieben und schrieben Briefe mit der Bitte um Unterstützung von „allen“ Seiten. Fürs erste ist die Kunst recht zufrieden mit ihrer Crew.

 

Während der Wahl- Fahrt wurde ein Transparent mit dem Bild der Schwarzen Madonna von Hohenpeißenberg nach Altötting transportiert. Insgesamt 9 Pilger machten sich auf den Weg. Insgesamt 6 Religionen empfingen die Pilger mit ihrem Anliegen der Freundschaft und der Verwandtschaft der Religionen, nämlich die Christen, die Schamanen, die Buddhisten, die Hindus, die Moslems und die Jüdische Gemeinde. Mehrere Bürgerinitiativen begleiteten die Wahl- Fahrt mit Aktionen, nämlich „Mehr Demokratie e.V.“ mit Begleitfahrzeug und Infoständen zum Thema Volksentscheid, Initiativen wie „Der Regio“ und INWO zum Thema „ethisches Geld“ und „bedingungsloses Grundeinkommen“ mit Vorträgen und Info- Material.

Die Menschen sollten schließlich vorbereitet sein, wenn dereinst nach der Vision der Kunst die Göttinnen ihren Kinder die „alles“ entscheidenden Fragen stellen.

 

Impressionen:

Der Benediktiner- Pater Johannes bei der Aussendung der Pilgergruppe in Hohenpeißenberg: „Wenn wir von einer „Weißen“ zu einer „Schwarzen“ wandern, dann sind alle anderen Farben mit integriert, sei es in Bezug auf die Hautfarbe oder einer sonstigen Zuordnung…“

Der Schamane Stefan, Abgesandter von Kanto de la Tierra, am Fuß der gewaltigen Tassilo-Linde in Wessobrunn: „Wenn wir die Heilige Pfeife anzünden, dann erinnern wir uns an die Weiße Büffelfrau, die uns dieses Ritual gebracht hat und wir laden alle unsere Verwandten ein, Platz zu nehmen, die Pflanzen, die Bäume, die Tiere und natürlich die Menschen aller Farben…“

Der Mönch Jirka von der tibetischen „Rabten- Gemeinschaft“ im Tempel der Münchner Freunde: „Bei unseren Anrufungen erinnern wir uns immer wieder daran, dass alle Wesen, auch die, über die wir uns gerade aufregen oder ärgern, im Lauf der unzähligen Wiedergeburten einmal unsere Mütter gewesen sind oder gewesen sein könnten…“

Der Rabbi der jüdischen Gemeinde, der die Heilige Schrift, die Thora herumreicht, damit sie geküsst und verehrt werden kann…

Der Sufimeister Ahmed Ibn Al Habib mit dem wir gemeinsam die Heiligen und Geheimen Namen Allahs anrufen ….

Das Gesänge der von dem Hindu-Meister Paramahansa Yogananda gegründeten Gemeinschaft der Selbstverwirklichung….

Der Franziskaner- Bruder Felix, der uns die Geschichte erzählt, wie der Heilige Franz von Assisi einen Wolf zähmt, während er eigentlich die Menschen jener Stadt namens Gubbio zähmt, die sich vor dem Wolf zuerst fürchteten und ihn töten wollen. Der Heilige Franz spricht mit dem Wolf und der Wolf erklärt ihm seinen Hunger. Franz „hört“ den Hunger und fragt die Menschen in Gubbio, ob sie die wissen, wovon der Wolf spricht und ob es dagegen eine Medizin gäbe. Schließlich ringen sich die Menschen von Gubbio dazu durch, dem Wolf ein wenig Fleisch abzugeben. So wird der Wolf zum Freund. Schließlich geht der Wolf in der Stadt umher und die Gubbioner beginnen, ihn zu mögen.

 

Am Ende kehren wir nach Hause zurück. Müde, durchnässt, erschöpft und gestärkt.

 

 

 

21. März 2009

Eines Tages werden wir das Kunstwerk vollbracht haben!